Buen camino

buen-camino

 

 

 

 

 

 

 

Caminante, son tus huellas
el camino, y nada más;
caminante, no hay camino:
se hace camino al andar.
Al andar se hace camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante, no hay camino,
sino estelas en la mar.

(Antonio Machado) (*)

(*) Wanderer, der Weg sind deine Spuren und nicht mehr. Wanderer, es gibt keinen Wegder Weg entsteht dort, wo du gehst. Beim Gehen entsteht der Weg, und wendet man den Blick zurück, sieht man den Pfad, den man nie wieder betreten wird. Wanderer, es gibt keinen Weg, nur deines Schiffes Spuren auf dem Meer.

Dem Kreis meiner Freunde und Bekannten in diesem persönlichen „Verteiler“ möchte ich zuallererst einen guten und gesunden Weg durchs Jahr 2022 wünschen.

Der Weg entsteht durchs Gehen…“ Das Gedicht verstehe ich in dem Sinne, dass unser „Gehen“, unser Denken und Handeln letztlich bestimmend für die Richtung und Entwicklung sind, in die uns der Weg durchs Neue Jahr führt. Vieles von dem, was wir derzeit in der Gesellschaft erleben, ist „Neuland“, einmalig in der Geschichte der Menschheit. Durch die Turbulenzen führt uns kein vorgezeichneter Pfad; es liegt an uns, die Richtung zu bestimmen, die wir einschlagen wollen.

In wenigen Monaten feiere ich meinen 70sten Geburtstag. Mehr als 50 Jahre davon habe ich mich intensiv mit gesellschaftspolitischen Themen befasst: Als Gewerkschafter, Umweltaktivist, zu den Themen einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Entwicklung.

In den ersten Tagen des Neuen Jahres habe ich mir die Zeit genommen, einige Gedanken zu ordnen und zu Papier zu bringen.

Es sollte ein Rückblick werden, auf das, was sich mir in diesen zwei Jahren Coronismus-Erfahrung besonders eingeprägt hat, und gleichzeitig ein Ausblick auf mögliche Szenarien für die „Days-after-Corona“, wenn wieder so etwas wie Normalität das Leben bestimmen wird.

Es ist kein fertiger Text entstanden; vielmehr sind es Fragmente, Gedankensplitter, Zitate aus Büchern, die mir derzeit wichtig scheinen. Zum Weiterdenken und zum Weiterfragen, wobei es mir ein Anliegen ist, dies im Austausch mit möglichst vielen Menschen zu tun.

Fragen um Fragen: „Wem gehört die Welt?“, „Gibt es noch Raum für demokratische Entscheidungsprozesse, wenn die Macht in den Händen weniger konzentriert ist?“ „Wie frei sind Wissenschaft, Forschung und Medien?“, „War Corona Auslöser der Wirtschaftskrise oder war umgekehrt das Virus ein „logischer“ Rettungsschirm für marode Finanzpolitik? Bereitet der Coronismus den Weg für viele neue Atomkraftwerke? Für eine neue Form von Überwachungsstaat?

Euch allen nochmals herzlichen Dank für die vielen Rückmeldungen auf meine vorigen Aussendungen und weiterhin „Alles Gute!“

Arno Teutsch

Wem die Welt gehört… (*)

Vor einigen Jahren (2017) hat eine Oxfam-Recherche, veröffentlicht im Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz, für Aufsehen gesorgt: Die acht reichsten Männer der Welt haben zusammen ein Vermögen von etwa 426 Milliarden US-Dollar, in etwa so viel, wie es weltweit die ärmere Hälfte der Welt besitzt. Unter diesen glorreichen Acht sind die bereits bekannten Namen aus Amazon, Facebook, Google: Bill Gates, Warren Buffet, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg.

Diese Zahl macht eines deutlich: Wir haben es zurzeit mit der größten sozialen Ungerechtigkeit aller Zeiten zu tun. Noch nie war der Graben zwischen Arm und Reich so groß, wie in den letzten Jahren. Corona hat diesen Graben noch weiter vertieft. Allein die US-Milliardäre haben im ersten Halbjahr der Corona-Krise ihr Vermögen um 637 Milliarden US-Dollar vermehrt.

Doch dies ist nur die eine Seite der Geschichte; finanz- und sozialpolitisch weit bedeutender ist die Macht der Vermögensverwalter, der Investmentfonds und Schattenbanken, die ein Vielfaches der obgenannten Summen verwalten. Dass die eingangs erwähnten „glorreichen Acht“ in diesen Fonds mitmischen, sei nur nebenbei erwähnt.

Gemeinsam mit den beiden anderen Giganten Vanguard und State Street Global Advisor verwaltet BlackRock einen Wert, der fast die Hälfte des globalen BIP (Bruttoinnlandprodukt) ausmacht; die drei sind Hauptaktionäre von etwa 90% der börsennotierten Unternehmen. BlackRock verwaltet allein ein Vermögen von 9 bis 10 Billionen US-$.

Wer zahlt, bestimmt die Musik…“ …. sagt eine alte Volksweisheit.

Verfügten in früheren Zeiten Könige, Fürsten, Bischöfe und Feudalherren über die Geldmacht, ist diese ab dem 19. Jahrhundert immer stärker in die Fänge von Bankiers und Finanzspekulanten übergegangen. Letztlich bestimmten sie über Krieg und Frieden. Was heute den Unterschied macht: noch nie war so viel Macht in den Händen so weniger konzentriert.

Der Münchner Mediensoziologe Rudolf Stumberger spricht in diesem Zusammenhang von einer „Tendenz zur Re-Feudalisierung“; inoffizielle Strukturen selbst ernannter Eliten gewinnen gegenüber den offiziellen demokratischen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht.

Besitz bedeutet Macht. Wenn die großen Finanzkonzerne die größten Anteilseigner bei fast allen großen Konzernen sind, die die Geschicke unserer Welt bestimmen, kontrollieren sie diese Konzerne auch und bestimmen schlussendlich selbst die Geschicke unserer Welt. Und da macht es keinen Unterschied, ob das Kapital, mit dem sie operieren, ihnen selbst gehört oder ob sie es nur treuhänderisch für ihre Kunden verwalten“. (Jens Berger – siehe Fußnote)

Im Gegensatz zu den typischen „Kapitalistenfiguren“ vergangener Zeiten, d.h. Menschen aus Fleisch und Blut, mit ihren emotionalen Schwächen und Stärken, sind die typischen Merkmale des Finanzkapitals und deren Verwalter die einer Seelenlosigkeit, einer Menschenfeindlichkeit und damit Gleichgültigkeit zu den Folgen der eigenen Tätigkeit, falls diese nicht der Profitrationalität entsprechen.

Gleichgültigkeit gegenüber den sozialen und ökologischen Folgen der spekulativen Aktionen.

Geld, Politik und Institutionen

Diese Ansammlung von Reichtum wäre ohne eine enge Verbindung zur Politik nicht möglich gewesen. Ob und wie sich Einzelpersonen und Gesellschaften auf „legale“ Art bereichern konnten und können, hängt von den Rahmenbedingungen ab, die von der Politik geschaffen werden.

Die Stärke (und gleichzeitig auch die Schwäche) demokratischer Regierungssysteme liegt in der Notwendigkeit, „Konsens“ zu erhalten.

Konsens ist aber oft auch Ergebnis von Druck, Manipulation und Propaganda. Und da kommt das Geld ins Spiel. Wie es einer der Begründer der PR-Praxis (Public relations) schon Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts theoretisiert hatte:

Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen im Lande.“ (Edward Bernays)

Wer bezahlt diese Organisationen? Woher kommt das Geld? Wie läuft das Wechselspiel zwischen Politik und Propaganda?

Wahlkämpfe kosten und brauchen Spender: Im US-Wahlkampf 2016 unterstützte beispielsweise die Finanzindustrie ihre „Lieblingskandidatin“ Hillary Clinton mit mehr als 64 Millionen US-Dollar.

Dafür braucht es allerdings „Gegenleistungen“; politisch geschaffene Rahmenbedingungen, die das Anhäufen von Kapital erleichtern. Ethisch verwerfliche und unmoralische Verhalten werden somit durch manipulierte Gesetze „legal“. „Legaler Diebstahl!“

Ein Beispiel dafür sind die Steueroasen:

Joe Biden, US-Präsident und für die Leitmedien Vorzeigefigur für Demokratie, kommt aus dem Bundesstaat Delaware; Jahrzehntelang war er Senator dieser wohl bedeutendsten Steueroase der USA, in der es mehr Briefkastenfirmen als Einwohner gibt. Unter anderem befindet sich dort auch der Steuersitz von BlackRock und der wichtigsten Pharmakonzerne.

Ob Demokraten oder Republikaner: Die Wahlen gewinnt man durch den Einsatz von vielen Werbegeldern und diese werden nicht uneigennützig zur Verfügung gestellt. „Wer zahlt, bestimmt die Musik“. In den letzten Jahren sind die Geldströme für „Lobbyarbeit“ in allen Bereichen extrem angestiegen. Über die Lobby-Arbeit von BlackRock in der EU gehe ich weiter unten ein.

Was bedeutet dies für die Demokratie? Kann sich ein demokratisches System entfalten, wenn letztlich das Geld der entscheidende Faktor ist? Wie kann man dieser Spirale entgehen?

Eine Frage, die in den letzten zwei Jahren des Coronismus immer wieder gestellt worden ist: Gab und gibt es wirtschaftliche und finanzpolitische Gründe die sozusagen den Boden für das Virus vorbereitet haben?

Prof. Fabio Vighi, Dozent an der Cardiff University, hat kürzlich in einem Artikel mit dem Titel „Der Zentral-Banker Long Covid“ einige der Gründe aufgelistet, die diese These untermauern. Ich selbst habe nicht die Wissenselemente, um die Stichhaltigkeit seiner Argumente zu bewerten, empfehle aber die Lektüre des Textes unter folgendem Link https://tkp.at/2021/12/30/die-hintergruende-der-pandemie-eine-analyse-von-prof-fabio-vighi/

Prof. Vighi schreibt unter anderem:

Wenn die Militärindustrie Kriege braucht, braucht die Pharmaindustrie Krankheiten. Es ist kein Zufall, dass die ´öffentliche Gesundheit´ der bei weitem profitabelste Sektor der Weltwirtschaft ist, und zwar in dem Masse, dass Big Pharma etwa dreimal so viel wie Big Oil und doppelt so viel wie Big Tech für Lobbyarbeit ausgibt“ (Fabio Vighi)

Geld – BlackRock – EU-Kommission

BlackRock ist nicht nur der größte Vermögensverwalter, sondern hat auch weltweit die größte Lobbykraft.

Im EU-Parlament beispielsweise sind offiziell fünf BlackRock-Manager akkreditiert; sie haben unter den Brüsseler Lobbyisten die häufigsten Treffen mit den jeweiligen Finanzkommissären. Ihr Büro hat jährlich 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Doch jenseits der offiziell beglaubigten Lobbymänner gibt es eine Vielzahl „inoffizieller“ Aktivisten.

Die EU-Kommission holt sich immer wieder BlackRock-Fachleute, wenn sie Rat und Tat in Finanzangelegenheiten braucht.

BlackRock hat dann auch im Auftrag der Kommission den Stresstest für die 39 größten Banken in der EU durchgeführt; obwohl der Finanzkonzern in vielen dieser Banken Miteigentümer ist. In anderen Worten: Der Besitzer kontrolliert sich selbst und kassiert dafür Millionen)

BlackRock hat Beratungsaufgaben für das von der EU im Jahre 2020 beschlossene Corona-Wiederaufbauprogramm. Mit 750 Milliarden eines der größten Konjunkturpakete aller Zeiten. Dies obwohl jede Menge von Interessenskonflikten bestehen, da BlackRock Großaktionär bei vielen Gesellschaften ist.

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat 2020 BlackRock mit der Ausarbeitung der EU-Nachhaltigkeits-Regeln beauftragt. Dies gibt BlackRock einen großen Einfluss auf die Ausarbeitung von EU-Richtlinien und Gesetzgebung in diesen Bereichen.

Eine enge Verbindung hat BlackRock auch mit Mario Draghi – als ehemaliger Goldman-Sachs-Mann ist dieser bestens mit dem Chef von BlackRock vernetzt und sitzt mit ihm in den illustren Lobbygruppen G30 und im World Economic Forum.

CDU-Politiker Friedrich Merz ist BlackRock-Lobbyist in Deutschland. Mit im Boot auch der französische Präsident Macron und viele andre bekannte PolitikerInnen.

Ausführliche Informationen dazu in den Büchern, die in der Anlage aufgelistet werden.

Geld, Forschung und Wissenschaft:

Dass Forschung und Wissenschaft „neutral“ sind, d.h. sich unabhängig von politischen und finanziellen Interessen bewegen, hat nie jemand wirklich geglaubt.

Waren es in Vergangenheit Kirche oder Fürsten, die Wissenschaft in ihrem Sinne gefördert hatten, entstand im Rahmen demokratischer Systeme zumindest der Anspruch, dass öffentlich finanzierte Forschung dem Wohle der Allgemeinheit dienen solle.

In den letzten Jahren haben sich die Grenzen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft immer mehr geöffnet.

Der Staat gibt nach und nach den Anspruch auf, einen „neutralen Rahmen“ für ergebnisoffene Forschung zu schaffen.

Der Strom von privaten Geldern in die Wissenschaft ist dramatisch angeschwollen. Doch Großkonzerne sind keine Wohltätigkeitsvereine. Sie verfolgen mit dem Einsatz von Kapital gezielte Interessen. Nicht der Nutzen für die breite Bevölkerung soll dadurch erhöht werden, sondern der Nutzen der Konzerteigentümer: die Gewinne“ (Christian Kreiß – siehe Fußnote).

Diese Beeinflussung der Forschung erfolgt in verschiedenen Formen: Stiftungsprofessuren, Industriesponsoring und ähnliches mehr.

Christian Kreiß – Professor an der Hochschule Aalen hat in seinem Buch „Gekaufte Forschung“ viele Beispiele gesammelt, die deutlich machen, welche Folgen dieser oft skrupellose Missbrauch von Wissenschaft durch Unternehmen haben kann. Vor allem auf Gesundheit und Umwelt.

Nicht immer kommen diese „Drittmittel“ in einem diskreten Mantel, um den Schein „objektiver“ Forschung zu wahren.

Wie Politik im Hintergrund mitmischt, zeigt ein Beispiel aus den Neunziger-Jahren, das einiges an Aufsehen erregt hatte.

In einem renommierten britischen Forschungsinstitut (Rowett Research) hatte eine Studie ergeben, dass gentechnisch veränderte Kartoffel gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Ratten haben. Die Ergebnisse wurden mit breitem Medienecho der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Tage danach wurden die Projektleiter vom Direktor gerufen, fristlos entlassen, mit Redeverbot belegt, alle Daten wurden aus den Computern gelöscht. Was war geschehen: Monsanto (das damals rund 90% des weltweit hergestellten Gen-Foods produzierte) hatte Bill Clinton angerufen, dieser hatte seinerseits den englischen Premier Tony Blair kontaktiert und dieser wiederum den Direktor des Forschungsinstitutes Philip James. „Man habe sich geirrt“ – so die formelle Begründung für diesen Schritt. Doch Jahre danach wurden die Ergebnisse von mehreren unabhängigen Studien bestätigt.

Aussagen von Wissenschaftlern selbst belegen, dass 95% der Forscher im Bereich Gentechnik von der Industrie bezahlt werden. Nur 5 % sind unabhängig. Die große Gefahr für Meinungsfreiheit und Demokratie ist offensichtlich. Kann die Öffentlichkeit – können wir alle – den Wissenschaftlern noch trauen?“ (Christian Kreiß)

Es wundert daher nicht, dass auch in Corona-Zeiten viele Menschen der „Wissenschaft“ mit Misstrauen begegnen und sich fragen: Wer steckt dahinter? Wer bezahlt? Und es kommen Zweifel darüber auf, ob die verschiedenen Einrichtungen, von denen die Zulassung der Medikamente abhängt, wirklich „frei“ von Beeinflussung durch die Pharmakonzerne sind.

Diese Frage gilt letztlich auch für die WHO, deren Mittel zu einem großen Teil von Stiftungen und Pharmakonzernen kommen.

Warum sollten wir einem Mega-Pharma-Kartell (der WHO) vertrauen, das nicht für die ´öffentliche Gesundheit´ zuständig ist, sondern für die weltweite Vermarktung privater Produkte zu möglichst profitablen Preisen? Die Probleme der öffentlichen Gesundheit sind auf miserable Arbeitsbedingungen, schlechte Ernährung, Luft-, Wasser- und Lebensmittelverschmutzung und vor allem auf die grassierende Armut zurückzuführen; dennoch steht keiner dieser ´Krankheitserreger´ auf der Liste der humanitären Anliegen der WHO“ (Fabio Vighi)

Geld, Information und Medien:

Niemand hat je bezweifelt, dass es um die Wahrheit in der Politik schlecht bestellt ist, niemand hat je die Wahrhaftigkeit zu den politischen Tugenden gerechnet“ (Hannah Arendt)

Journalisten in Presse und Rundfunk galten einmal als die „vierte Macht“ im Staate. Neben der legislativen, exekutiven und judikativen Macht sollten die Journalisten für eine offene und breit gefächerte Information der Bürger und dadurch auch gleichzeitig für eine Kontrolle der anderen Machtinstanzen sorgen.

Ein hoher Anspruch! Die Arbeit der Medien war selten losgelöst von wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Interessen. „Schon vor drei Jahrzehnten hatte Noam Chomsky in ´Manifacturing Consent´ beschrieben, wie Geld und Macht alles aus den Nachrichten heraushalten, was den herrschenden Privatinteressen schaden könnte, und der Regierung außerdem erlauben, ihre Botschaften an die Frau und den Mann zu bringen.“ (Michael Meyen – siehe Fußnote)

Dennoch: Im pluralistischen Zusammenspiel unterschiedlicher Sichtweisen und politisch/kultureller Einstellungen konnte es in den letzten Jahrzehnten einigermaßen zu einer demokratischen Meinungsbildung kommen.

Dies hat sich seit Corona wesentlich verändert. Die dreidimensionale Gewaltenteilung ist letztlich durch den permanenten Ausnahmezustand zu einer einzigen und einstimmigen „Staatsgewalt“ geworden.

Aus dem Anspruch auf Information ist immer mehr Propaganda geworden; Propaganda für unterschiedliche Standpunkte. Mal grob, mal auf die sanfte Tour.

Doch auch in diesem Bereich hat sich eine Entwicklung verschärft, die schon vor Corona das Bild bestimmt hat.

Auch hier gilt immer mehr: Wer zahlt, bestimmt die Musik!

Die New York Times (NYT) ist mit ihren rund 8 Millionen Abonnenten das wohl bedeutendste „liberale“ Leitmedium des Westens. Deren Artikel werden immer wieder von den europäischen Leitmedien übernommen. NYT-Beilagen gibt es in mehreren Sprachen weltweit. Mehrheitseigentümer ist – wen überrascht es – BlackRock. Was nicht unbedingt bedeuten muss, dass allen Journalisten ein „Maulkorb“ aufgesetzt wird. Die Journalisten können viel Wahrheit und viele gute Reportagen bringen, sofern sie nicht Fragen stellen, die den Besitzern unbequem sind.

Der Medienexperte Ulrich Teusch hat dafür den Ausdruck „Lückenpresse“ geprägt: Die Berichterstattung hat eben viele „Lücken“, weil bestimmte Ereignisse und Informationen nicht wahrgenommen werden bzw. nicht gesehen werden dürfen.

Wenn nun immer mehr Journalisten und Medien in die finanzielle Abhängigkeit von Stiftungen kommen, wie dies vor allem in den USA der Fall ist, ist es langfristig um die Meinungs- und Informationsfreiheit schlecht bestellt.

Die Finanzierung des „Spiegel“ durch die Bill-Gates-Stiftung hat einiges an Aufsehen erregt. Gates finanziert der Zeitschrift die Recherchen zur „Globalen Gesellschaft“ – gleichzeitig berichtet das Magazin positiv wohlwollend über die Projekte zur Atomkraftnutzung, die als Hauptinvestor gerade Bill Gates haben.

Nur eines der vielen Beispiele, die zum Nachdenken anregen.

Ein weiteres Beispiel: In den Corona-Zeiten sind immer wieder die Fakten-Checker in Erscheinung getreten: Regelmäßig haben sie ihren Kommentar zu jenen Meldungen im Internet abgegeben, die nicht mit dem gängigen Narrativ übereinstimmten.

Viele dieser Eingriffe waren sicherlich korrekt und professionell; andere wiederum sehr zweifelhaft bzw. eindeutig Falschmeldungen.

Auch hier die Frage: Wer bezahlt die Faktenchecker? Wie viel die verschiedenen Stiftungen von Bill & Melinda Gates und George Soros dafür spendieren, wird nicht veröffentlicht.

Zum Thema Information gehört auch ein Hinterfragen der Rolle von Wikipedia; wie viele andere Menschen benutze auch ich diese Enzyklopädie ziemlich regelmäßig.

In der Selbstdarstellung präsentiert sich Wikipedia als eine „Agentur des freien Wissens“, in der jeder/jede ihr Wissen einbringen könne.

Was Wenigen bekannt ist: Wikipedia ist ein privater US-Konzern. Hinter einer sehr demokratischen Fassade steckt vor allem ein wichtiges Element der Public-Relations-Industrie: „Weil das Image von Unternehmen, Staaten, Städten, Regionen, Urlaubsorten, Parteien, Politikern, Kirchenführern, Prominenten, Autoren, Rennfahrern inzwischen auch davon abhängt, was über sie in Wikipedia steht, beauftragen sie vielfach PR-Agenturen, um die Einträge dauerhaft überwachen zu lassen und unliebsame Eintragungen zu neutralisieren“, schreibt Werner Rügemer (siehe Fußnote).

Gerade die freie Zugänglichkeit und vor allem die Möglichkeit des Mitgestaltens von Wikipedia-Einträgen täuschen darüber hinweg, dass man sich auf der untersten Ebene der Wissenschaft bewegt…die harten Fakten des gegenwärtigen Kapitalismus sind aber sowohl den normalen Wikipedia-Mitarbeitern wie auch Journalisten und akademischen Wissenschaftlern gar nicht zugänglich – außer sie werden von dafür zuständigen Agenturen und Öffentlichkeits-Zubereitern gezielt und selektiv versorgt“.

Ausblicke und Szenarien zur „Weltregierung“

Die Probleme unserer Welt sind planetarisch. Keine Nation ist ihnen allein gewachsen. Sosehr einzelne Staaten (…) ihre eigene Umwelt schützen mögen – ihre Anstrengungen blieben sinnlos, wenn die übrige Welt (…) ihre Vergiftungsaktivität fortsetzen würde (…), schreibt Isaac Asimov in seinem Essay „Die Erde stirbt“.

Sicherlich: Die Probleme sind planetarisch. Doch wer kann eine Weltregierung übernehmen? BlackRock & Co.?

Oder Einrichtungen wie die WHO, die verstrickt sind in machtpolitische Interessen und von privaten Stiftungen abhängen?

Es gibt keine glaub- und vertrauenswürdigen Einrichtungen, da – wie aus obigen Beispielen mehr als deutlich – die Geschicke der Welt letztlich von Finanzlobbys, von mafiösen Intriganten bestimmt werden.

Bedeutet eine „Weltregierung“, dass das wirtschaftliche, kulturelle, politische Modell, das den einzelnen „Wohltätern“ oder Philanthropen aus den großen Stiftungen vorschwebt, mit aller Macht den Menschen aufgezwängt werden soll?

Corona hat auch gezeigt, wie fragil die Demokratie ist; wie schlecht es letztlich um den Schutz von Minderheiten bestellt ist. Wie stark das Bestreben ist, alle Menschen in ein einheitliches Denkkorsett zu zwängen.

Hätte es – ohne den Covid-Notstand – nicht ein großes Aufschreien gegeben, als die EU-Kommission den Weg frei gemacht hat für die Finanzierung der Atomenergie? Projekte, die Bill Gates mit seinen Stiftungen, mit BlackRock und damit verbundenen Politikern ausgearbeitet hat.

Im Gesellschaftsmodell, das den Finanzgiganten vorschwebt, sind die Menschen lediglich Produzenten – Konsumenten – Patienten im Räderwerk einer Maschinerie. Dafür braucht es Atommeiler, ein 5-G Netz, und eine autoritätshörige Bürgerschaft.

Persönlich glaube ich, dass es an der Zeit ist, wieder über „Grenzen“ nachzudenken. Jene Art von „Globalisierung“, die wir heute erleben, ist menschenfeindlich und nicht zukunftsfähig. Oder, wie es Marianne Gronemeyer treffend auf den Punkt gebracht hat: Wenn die Grenzen fallen, wird alles einerlei und es verschwindet das Anders-Sein-Können.

Mit herzlichen Grüßen

Arno

Berger Jens: Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen? Die heimlichen Herrscher und ihre Gehilfen. (Westendverlag 2018)

Kreiß Christian: Gekaufte Forschung – Wissenschaft im Dienst der Konzerne (Europaverlag Berlin 2015)

Meyen Michael: Die Propaganda Matrix – Der Kampf für freie Medien entscheidet über unsere Zukunft (Rubikon-Verlag 2021). Meyen ist seit 2002 Professor für Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Rügemer Werner: BlackRock & Co. enteignen! Auf den Spuren einer unbekannten Weltmacht (NomenVerlag 2021) und: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. (PapyRossa Verlag 2018)

FacebookTwitterGoogle+Share

8 Responses to Buen camino

  1. Sepp Kusstatscher scrive:

    Danke, Arno!
    Eine ausgezeichnete und kurze Zusammenfassung über die Welt des neoliberalen Kapitalismus!
    Um mich persönlich vor Pessimismus zu schützen, fliehe ich in die Traumwelt.
    Siehe “Spruch und Widerspruch” auf https://kusstatscher.net/

  2. M.Pia Zitturi scrive:

    Herzlichen Dank

    Ja, dem allem kann ich nur zustimmen, die Welt ist kalt und technisch geworden, seit Jahren schon spürbar und es ist ein Jammer, dass alle relevanten politischen Kräfte sich unterordnen, anbiedern, verführen, korrumpieren lassen … wofür?: ein bisschen Pseudo-Macht? ein paar Posten mehr auf dem Konto? Dazugehörigkeit? Wie lange?
    Und nein, ich will nicht zustimmen … will da wo ich kann, noch meine Fragen stellen – weiterhin an Empathie und Menschlichkeit (im guten Sinne) glauben und vielleicht – manchmal – dem einen oder anderen Pseudo-Mächtigen – ein wenig unbequem sein …
    Pia Z.

    • Barbara Kasslatter scrive:

      Danke für die umfassende und trotzdem kurze Darstellung der aktuellen Situation!
      Sie haben Sachen, die “man eh schon lange weiß”, sehr verständlich dargestellt und vor allem mit konkreten Beispielen angereichert – es ist traurig, in welche Richtung sich die Welt entwickelt.
      Solange für bestimmte Leute Kapitalmaximierung das wichtigste Ziel bleibt und solange solche Leute von der Gesellschaft als “etwas Besseres” anerkannt werden, nur weil sie Geld haben, wird sich wahrscheinlich nicht viel an der ganzen Situation ändern.
      Andere Meinungen werden unterdrückt – das fängt schon an bei der Auswahl der zu veröffentlichenden Leserbriefe unserer sogenannten “Qualitätsmedien”.
      Ich weiß von vielen Personen und auch aus Selbstversuchen, dass bestimmte Meinungen einfach ignoriert werden, indem sie keine Chance auf Veröffentlichung erhalten.
      Aber dass auch der Spiegel “gekauft” ist – das wusste ich noch nicht!

  3. Karin scrive:

    (…) Ich denke, dass alles seine Zeit braucht und jeder zu seiner Zeit soweit ist. In diesen letzten 2 Jahren ist mir bewusst geworden, dass viele Menschen etwas von sich selbst entdecken durften: was sie tatsächlich denken, sprechen und tun. Nicht was sie bis dahin gemeint haben zu sein. Der vermeintlich ach so tolerante, verständnisvolle, mutige und bewusste Mensch erlebt und begegnet den anderen plötzlich mit seiner Intoleranz, Ungeduld, Achtlosigkeit und Angst. Die Corona Situation hat aufgezeigt was der Einzelne ist. Vom Schlaf in das Erwachen. Von der Selbsttäuschung in die Wahrhaftigkeit. So gesehen ein notwendiges Geschehen und entwickeln.

    Die göttliche Ordnung und Harmonie ist- also sind wir unterwegs dorthin.

    Die Lebensfreude und ihr Ausdruck weisen uns den Weg.

    Mit herzlichen Grüßen- Karin

  4. Hi scrive:

    ….hier schicke ich Dir den Link zu einer Seite, die weitere sehr aktuelle und gute Artikel birgt. Beim vorliegenden Link kommen PolizistInnen in einem Schreiben an den österreichischen Innenminister zu Wort, bei einem weiteren Link Hebammen in einem offenen Brief. Alle beide, auch weitere zur in Diskussion stehenden Impfpflicht auf dieser Seite, sind äußerst lesenswert: https://tkp.at/2022/01/11/hunderte-polizisten-richten-offenen-brief-an-innenminister/ M.P.

    habe mir deinen Text ausgedruckt und werde ihn heute als Abendlektüre verschlingen, das sind Themen, die mich auch interessieren. dazu habe ich mir kürzlich mehrere Vorträge von Rainer Mausfeld angeschaut… könnte für dich auch interessant sein :-) danke dir und lieben Gruß https://www.youtube.com/watch?v=Hxoq44NZRLs Nina Ch.

    “Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht”

    Das scheint mir der Augenblick der Wende zu sein.

  5. Lotte scrive:

    (…)Im Geschichtsunterricht hat mich die Beobachtung geprägt, dass es keinem Herrscher gelang die Alleinherrschaft ūber alles zu bekommen. An seinem Höhepunkt kam die Wende. Wie bei einem Baum kommt der Moment wo er nicht mehr höher werden kann, wenn auch beste Voraussetzungen gegeben sind.

    Die damit verbundene Tragödie der Menschen kennen wir und zugleich gibt es mir Hoffnung und Zuversicht.

    Bin der Meinung, dass immer mehr Menschen sich eine Wende herbeisehnen und dies hat sicher Wirkung. Den Samen dafūr muss jede /r selber sähen und dazu beitragen, dass er aufgeht.

    Ich danke Ihnen Ihre Gedanken so zu Papier gebracht zu haben! Das ist so wichtig und hat sicher Wirkung!

    In diesem Sinne wūnsche ich weiterhin Durchhaltevermögen und immer mehr Menschen die den Weg des Dialogs mitgehen.

    Alles Gute

    Lotte

  6. C. D. scrive:

    (…)grazie degli auguri, che ricambio volentieri.

    E grazie anche delle riflessioni che periodicamente mi mandi: in questo periodo (lunghissimo!) davvero difficile sotto tanti punti di vista, è bello sentire che c’è chi non ha smesso di porsi domande e di lavorare per promuovere il dialogo e la cultura del dubbio.

    Un carissimo saluto e buon cammino!

    C. D.

  7. Lg Ul. scrive:

    Hallo…. Ich finde es super dass Sie und Herr Kusstatscher versuchen über die Schlimme Situation in der wir gerade Leben aufzuklären…. Viele Menschen wissen gar nicht in welcher Lage wir uns befinden…. Ich bin nun in der Situation dass ich mich Impfen lassen muss oder ich verliere meine Arbeit…. Wir sind leider in der Situation dass wir noch unser Haus abbezahlen müssen 2 Kinder in Ausbildung.. Studium haben…. Wir sind normale Arbeiter. Ich bin Mitarbeiterin für Integration in der Schule arbeite 36 Jahre mit schwerbehinderten Kindern…. Ich liebe meine Arbeit…. Mein Mann ist Schlösser er kann wenigstens noch arbeiten wenn er dafür bezahlt (test)….. Ich bin traurig und verzweifelt…. Danke für ihren Einsatz

    Lg Ul.

Lascia un Commento

L'indirizzo email non verrà pubblicato. I campi obbligatori sono contrassegnati *

È possibile utilizzare questi tag ed attributi XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>